«Stress & Erschöpfung; Innere Ruhe und neue Kraft schöpfen»,
«Stressbewältigung und Stressprävention im Gesundheitsurlaub», «Gestresst?
Überfordert? Erschöpft? Zeit für eine Auszeit». Dies sind nur einige zufällig ausgewählte Angebote von Kuren, Retreats und Seminaren. Ganz offensichtlich ist in der heutigen Zeit das Bedürfnis gross einem oft hektischen Alltag etwas entgegen zu halten, sei das Entspannung oder Entschleunigung. Dieser Artikel zeigt auf, was sich in uns abspielt und wir uns so häufig im Hamsterrad gefangen wahrnehmen.

Begonnen hat dieser Trend mit dem Wunsch vieler Menschen sich eine kurze Auszeit zu gönnen, sei das für eine der vielen Formen des Yoga oder einer anderen Art der Meditation. Zudem wollen Menschen heute nicht bloss kurz aus ihrem hektischen Alltag ausklinken wollen, sondern sie sind vermehrt auf der Suche nach genereller Entschleunigung in ihrem Alltag. Oder anders ausgedrückt, sie wollen ihr Leben wieder stärker selbstbestimmt gestalten und nicht nur von äusseren Umständen getrieben sein.

Wer wünscht sich nicht ein vollkommen gelassenes Leben, ein Leben voller innerer Freude und mit viel Leichtigkeit. Ein erfülltes Leben begleitet von innerer Ruhe und einem tiefen Vertrauen, dass alles richtig ist, so wie es ist. Dabei erleben die meisten von uns doch viele Tage voller Unruhe, sind begleitet von negativen Gedanken und Gefühlen. Viele von uns haben auch schon Kurse zum Thema besucht und haben ihre innere Mitte gefunden. Doch scheint es so, dass die meisten von uns bald wieder in alte Gewohnheiten und Gedanken zurückfallen.

Damit wir verstehen wie wir in diese Situation gekommen sind, wie wir zu unseren Gedankenmuster gekommen sind, lohn sich ein Blick zurück in die Kindheit. Als Babys leben wir zu 100% im Hier und Jetzt. Wir machen uns keine Gedanken über die Zukunft, und verschwenden auch keinen Gedanken an die Vergangenheit. In ihren Aktivitäten sind Babys vollkommen präsent und nehmen kaum ihre Umgebung wahr. Im Verlaufe der ersten Jahre nimmt mit dem Wachstum des physischen Körpers auch die Wahrnehmung der Umwelt zu. Parallel dazu wächst auch die innere Welt des Kindes. In der Schule lernen wir all die wertvollen Fähigkeiten wie Lesen und Schreiben, Gestalten und unser logisches Denken wird gefördert. Den Umgang mit unseren mentalen Fähigkeiten lernen wir hingegen nicht. Der Geist in einem heranwachsenden Kind erfährt keine Erziehung.

Bei den meisten Menschen entwickelt sich der Geist wie ein antiautoritär erzogenes Kind. Er wird sich seine eigenen Spielregeln machen und sich eigene Denkmuster angewöhnen, die uns zudem mehrheitlich unbewusst sind. Die zwei hauptsächlichen Muster unseres Geistes sind einerseits, dass er gerne in die Vergangenheit geht und darüber nachgrübelt, wie es früher war und andererseits in die Zukunft reist und uns Bilder produziert wie diese sein könnte. Da können Visionen, Wunschvorstelllungen oder auch Horrorvorstellungen sein, was alles schieflaufen könnte. Dabei verpassen wir den Moment, in dem wir gerade sind. Wir sind beispielsweise auf einer Wanderung und wissen im Nachhinein zwar dass wir von A nach B gekommen sind, aber wahrgenommen haben wir kaum etwas, weil unser Geist nicht in der unmittelbaren Gegenwart verankert ist.

Für eine fundamentale Erhöhung der Gelassenheit in unserem Leben ist es unabdingbar sich mit dem eigenen Geist zu beschäftigen. Ihn zuerst zu entdecken, kennenzulernen und dann bewusst mit ihm zu arbeiten. Dieser Prozess ermöglicht auch Klarheit bezüglich seiner Herzenswünsche zu erlangen. Denn wenn der unruhige Geist erst einmal Altes, Neues, Eigenes und Übernommenes zu vermischen aufhört, dann wird die Stimme des Herzens erst klar vernehmbar. Diese Herzenswünsche können sich so zu eigentlichen Leuchttürmen im eigenen Leben erheben. Hier kommt auch die Intuition ins Spiel, die uns mit eine wenig Übung zu schnelleren und stimmigeren Entscheidungen verhilft, sei dies bei alltäglichen oder bei weitreichenden Entscheidungen. Es erklärt sich von selbst, dass schnellere und klarere Entscheidungen viel Stress wegnehmen. So kann Klarheit im Arbeitsalltag dazu führen, dass ich nicht länger warte bis ich den Job an den Nagel hänge, in welchem ich mich schon länger nicht richtig wohl fühlte oder aber diese Klarheit verhilft mir zu einer besseren Leistung im Job und damit zu höherer Zufriedenheit. Analog lässt sich das auch auf andere Lebensbereiche wie Freunde, Partnerschaft oder Familie anwenden.

Gerade im Familienalltag ist Gelassenheit ein wichtiges und zerbrechliches Gut. Fehlende Gelassenheit führt unweigerlich zu mehr Anspannung im Familiengefüge und zu weniger Toleranz den andern gegenüber. Umgekehrt ist ein harmonisches Familienleben etwas vom Kostbarsten, das es gibt. Das sollte uns Grund genug sein die Verantwortung für das eigene Wohlergehen zu übernehmen. Denn ob ich als flackernde, mickrige Kerze oder als leuchtende Fackel durch das Leben gehe, beeinflusst meine Umgebung massgeblich. Die Familie ist zwar eine Schicksalsgemeinschaft, aber die Verantwortung für die eigene Klarheit und Gelassenheit lässt sich nie delegieren. Jeder ist für sein Wohlergehen selber verantwortlich, gerade auch weil mein Zustand denjenigen meiner nächsten Umgebung, insbesondere denjenigen meiner Kinder unmittelbar beeinflusst.
Neben klaren Gedanken, einem ruhigen Geist und einer trainierten Intuition spielen Gefühle eine nicht zu unterschätzende Rolle für vollkommene Gelassenheit. Hierbei geht es auch wieder darum die eigenen Gefühle bewusst wahrzunehmen und auch bedingungslos anzunehmen. Das ist gerade bei negativen, hemmenden Gefühlen die Voraussetzung, dass sie sie einem nicht die Luft zum Leben abschneiden. So soll beispielsweise Trauer ihren gebührenden Platz haben. Indem die Trauer einen klaren Platz einnehmen darf, wird dieses Gefühl nicht unterdrückt. Somit werden wir auch nicht von diffusen verdrängten Gefühlen gelähmt.

Zur hohen Schule der vollkommenden Gelassenheit gehört natürlich auch, dass man sein Herz öffnet und dadurch in ein tiefes Vertrauen dem Leben gegenüber einzutauchen lernt. Hierdurch kommt man auch mit seiner Schöpferkraft in Berührung und beginnt Spiritualität im besten Sinne des Wortes zu leben. Der hier beschriebene Weg zu einer nachhaltig vertieften Gelassenheit ist für jedermann möglich. Jede und jeder macht sich an seinem ganz persönlichen Startpunkt auf den Weg und legt grosse oder kleine Schritte zurück. Schon nur die Bereitschaft sich mit dem Thema und damit mit sich selber zu beschäftigen ist ein erster grosser Schritt zu vollkommener Gelassenheit.


Die Autorin Barbara Kündig beschreibt in ihrem neuen Buch «Life Mastery» (Windpferd Verlag, 2018) einen Weg in 12 Schritten zu vollkommener Gelassenheit. Barbara Kündig hat in den letzten Jahren zahllose Teilnehmerinnen in unterschiedlichen Programmen zum Thema Gelassenheit begleitet. Die enormen Veränderungen, welche die Teilnehmerinnen in Bezug auf ihre Lebensqualität, ihrem Familien- und Berufsleben machten, bewogen die Autorin dazu «Life Mastery» mit dem nun vorliegenden Buch einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Weitere Bücher der Autorin im Windpferdverlag: Yoga Nidra (20xx), Intuition… (20xx)